Randnotizen - Chorgemeinschaft Burgrieden

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Randnotizen

Das Singen im Wirtshaus – gelebte Volkskultur!

Bernhard Bitterwolf aus Bad Waldsee, bekennender Oberschwabe, greift mit großer Lust in die Kiste der regional-kulturellen Kleinodien. Als Vollblutmusiker nimmt er sich dabei auch der in Vergessenheit geratenen alten schwäbischen Lieder und Tänze an. Bitterwolf – seine Freunde nennen ihn Barnie – sieht sich als Kommunikator einer lebendigen Volkskultur.
In einem Aufsatz in der Zeitung „Singen“ des Schwäbischen Chorverbands (SCB), Ausgabe Januar 2013, hat er sich so seine Gedanken über das Singen im Wirtshaus gemacht. Und ist zudem Ergebnis gekommen: Singen ist gelebte Volkskultur.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors geben wir den Artikel in Auszügen wieder:

„Suevia non cantat“ – Der Schwabe singt nicht“, so hieß es früher und so hört man heute immer wieder, wenn nach den Singgewohnheiten in unseren Landen gefragt wird. Wie sich eine solche Aussage, ein solches Vorurteil einprägen und verfestigen kann, ist und bleibt ein Rätsel. Vielleicht hängt es mit der fast sprichwörtlich zu nennenden Introvertiertheit der Schwaben zusammen? Wer nicht viel redet, wird schon gar nicht viel singen! Vielleicht lässt sich dieser Gedanke auch davon ableiten, dass die Schwaben in der Öffentlichkeit, sprich im Gasthaus, in der Kneipe, nur dann singen, wenn keine Fremden zugegen sind und diese deshalb selten oder gar nie in den Genuss der schwäbischen Sangeskünste kommen. Eines ist sicher: Wer regelmäßiger Gast an den Stammtischen der Lokale vor allem in ländlichen Raumschaften ist, hat ein großes Liederrepertoire und kennt Liedtexte, die sonst nirgendwo in einem Liederbuch nachzulesen sind“.

Bitterwolf bricht generell eine Lanze für die Stammtische und die so genannte „Nachsingstunde“. Er schreibt:
„Wer seinen Stammtisch besucht, weiß, welcher Gesprächspartner an welchem Tag, zu welcher Stunde dort wartet. Hier sitzen die Menschen generationsübergreifend zusammen, brauchen kein Blatt vor den Mund zu nehmen und tauschen sich aus, unabhängig von der Herkunft und vom sozialen Status des Einzelnen. Sind die wichtigsten Ereignisse des Heimatorts, „durchgehechelt“, sind die neuesten Entwicklungen in der Politik kommentiert, und sind die aktuellen Sportnachrichten auf deren Bedeutung für die Zukunft abgeklopft, schlägt die Stunde der Lieder, die Stunde des Gesangs. Ein kleines „Aschuggerle“ genügt dann schon, um eine Liederlawine ins Rollen zu bringen. In jeder Runde ist meist jemand, der sich getraut, nach einem kurzen Räuspern, die ersten Töne zu produzieren. Natürlich will dieser Jemand manchmal auch gebeten sein, bevor er in seine persönliche Schatzkiste mit Liedern greift. Ein Freibier wirkt in diesem Zusammenhang manchmal ein kleines Wunder“.

Bernhard Bitterwolf ist dabei auch zu der Erkenntnis gelangt, dass das Wirtshaussingen einer verborgenen Regel zu folgen scheint. Seinen Beobachtungen zufolge wandelt sich das Liedgut je länger etwa eine „Nachsingstunde“ oder „Stammtisch dauert. „Los geht´s mit allseits bekannten Volksliedern, bei denen alle einstimmen können. Eingestreut finden sich zu diesem frühen Zeitpunkt lustige Trinklieder, in deren Texten offen oder versteckt dazu aufgefordert wird, auszutrinken und nachzubestellen. Ist dann ein entsprechender Alkoholspiegel erreicht, erklingen Lumpenliedle mit deftigen, moralisch lockeren Passagen.

Die Lust am Fabulieren, am Reimen und Dichten sind in der Wirtschaft keine Grenzen gesetzt. In der inspirierenden Atmosphäre einer gediegenen Gaststätte entstehen neue Melodien, aber vor allem neue Texte. Selbst althergebrachte, allseits bekannte Lieder wie „Wenn alle Brünnlein fließen“, lassen sich mit etwas Fantasie ausbauen, ergänzen und mit aus dem Stehgreif formulierten Strophen anreichern. Im Ursprung geht dieses Liebeslied auf das frühe 15.Jahrhundert zurück. Achim von Arnim und Clemens von Brentano veröffentlichten im Jahr 1808 in ihrer Liedersammlung diese wohlbekannte Liebeserklärung. Die heute gesungene Melodie stammt vom schwäbischen Tonsetzer Friedrich Schiller. Die „offiziellen“ ersten vier Strophen erfuhren dann vielfältige Fortsetzungen“. Der Autor Bernhard Bitterle führt ein paar Beispiele an, wir von der Chorgemeinschaft „Liederkranz“ Burgrieden ergänzen diese mit dem Vers: „ Wenn oiner an stoinige Acker hot ond au roschtige Pfluag, ond no a grätigs Weib druzua, no hot ´r z´kratzet gnua“.
Wir hoffen, dass es Bitterwolf mit diesem Artikel gelungen ist, für das Singen - als der der schönsten Freizeitbeschäftigung- geworben zu haben.
K.K.  
     




Noch dieses:
Von dem Leitgedanken: „Singen in der Gemeinschaft verbindet Menschen und schafft das Gefühl der Zusammengehörigkeit“ hat sich auch die Designerin bei der Gestaltung unseres Vereinslogos „Chorgemeinschaft“ leiten lassen.
Kurt Kiechle  

 

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